Bottled Demon – Das Böse in Shadowrun

Nehmen wir mal an, dir fällt ein magisches Artefakt in den Schoß, ein Kraftfokus Stufe 12 um genau zu sein. Stufe 12!! … und du musst nicht mal Karma investieren, um dieses Geschenke der Macht zu nutzen. Sollte dir DAS passieren, müsste das dein größter Glückstag sein, nicht wahr? Ja? Nein? Zu schön um wahr zu sein? Solche Dinge passieren aber! Die 6. Welt beinhaltet unendlich viele Geheimnisse, die in den paar Jahrzehnten seit dem Erwachen kaum alle gelüftet wurden und so geht meine dritte Rezension also in den Äther.

Bottled Demon ist das Abenteuer, das bis zum Erscheinen von Harlequins Back das elementare Böse in der Welt von Shadowrun repräsentierte und treibt mir beim Lesen heute noch den Angstschweiß (naja, zumindest die Erinnerung daran) auf die Stirn.

Während Harlequins Rückkehr den Kampf gegen das Böse ins Zentrum stellt, IST Bottled Demon DAS BÖSE. Als Spieleleiter war mir schnell klar, dass ich damit meinen Gruppen-Magier geeke. Warum? Größenwahn, Machtgelüste, Neid auf den Party-Samurai! Ich wusste, dass er das Idol binden wird. So war es auch!

Daher war es für mich anscheinend auch OK, der Gruppe bewusst zu schaden; nicht vom Geschick der Spieler beeinflusst; Nein! Von mir bestimmt.

Er gibt es und er nimmt es! Appelliert wohl an meinen gottgleichen Spieleleiterkomplex! Aber genug mit Einblicke in meinen Kopf.


Der Run kommt, wie zuvor bei Maria Mercurial, als Bodyguard Job daher. Die Runner sollen Schutz bei einem Treffen in offenem Gelände bieten und geraten schnell zwischen die Fronten von Lone Star und den Interessen aus Tir Tairngire; und dann war da noch die Figurine. Aber alles der Reihe nach (wieder mal)

Zum Inhalt

Topal, Besitzer einer kleinen Taliskrämerei, möchte einen Deal mit einer Gruppe Elfen im Schutz der Dunkelheit auf einem Schrottplatz abwickeln (genau!). Nachdem am Weg dorthin kurzerhand die Asphalt Devils in den Puyallup Barrens abgewehrt werden, geraten die Dinge vor Ort etwas außer Kontrolle, Topal verstirbt, Lone Star stürmt den Platz und die Runner bleiben mit einer schwarzen Holzbox zurück oder besser damit bereits auf der Flucht.

Mit dem unbekannten Schatz in ihrem Besitz muss die Gruppe erst mal verstehen was da eigentlich auf Black´s Schrottplatz passiert ist.

Warum hat der Elf (Blackwing, wer zu Teufel ist der Typ) ihren Auftraggeber gekillt? Warum mischte Lone Star plötzlich mit und begann auf alles ohne Stern zu schießen… und was ist das für ein Ding in der Box?
Die Runner erkennen (wie immer mit entsprechender Beinarbeit), dass sie vom Star tatsächlich gesucht werden; Mord, Verschwörung, Einbruch, das Übliche). Die Strasse lässt die Runner fallen, nein, man verachtet und verrät sie sogar, da das Gerücht umhergeht, sie hätten ihren Auftraggeber für die Box gekillt. Und dann ist da noch dieser Blackwing, ein elfischer Killer, der ihnen nachstellt. Zuletzt sind da noch Topals Freunde, Die Kinder von Sophocles, die den Mord an ihren Kumpel rächen wollen.

Alles in allem ziemlich viel Probleme und kein Ausweg in Sicht. Aber vielleicht müssen sie ja nur verstehen, was die Figur bedeutet, woher sie kommt, warum jeder hinter ihr und ihnen her ist? Ja, verteidigen müssen sie sich können. Schützen ihren Schatz. Ihr Schatz! (Ok, das geht jetzt in eine ganz andere, völlig ausgereizte Richtung).

Irgendwann erfahren die Runner von einer alten Hund-Schamanin, Trixy, die angeblich Träume zu dem Fokus hätte. Kurzerhand wird ein Treffen gechecked und Trixy erkennt sofort die böse Natur des Idol. „Nur die Weisheit und Kraft eines Drachen kann das böse Artefakt zerstören!“ Und wie es der Zufall will, kennt sie einen, Geyswain nämlich.

Hier kommt Drache Nummer 1

Geyswain ist ein arroganter, westlicher Drache und lebt als Immobilien Tycoon in Tacoma in seinem Hauptquartier / ein auf heiße Wüste gepimpter Hort. Er empfängt die Runner und übernimmt schlussendlich die Aufgabe die Figurine zu zerstören (natürlich schulden die Runner ihm jetzt auch noch einen Gefallen), was ein paar Tage in Anspruch werden wird. Uff, geschafft! Endlich weg das Ding!

Beim Verlassen des Drachenhorts treffen die Runner auf eine junge, hübsche Frau. „Wisst ihr,“ stellt sie sich mit einem Lächeln vor „irgendjemand sollte euch mal die Unterschiede zwischen Drachen beibringen“ U-Ohh!

Drache Nummer 2, die Gefiederte Schlange

Die junge Frau ist Arleesh, eine Große gefiederte Schlange mit uralter und ehrenwerter Abstammung (nicht so uncool wie die von Geyswain). Tja und Arleesh erklärt den Runnern, dass ihr Drache, das Problem nicht lösen wird können, da er noch ein Kind ist und weder die Kraft aber schon gar nicht die Weisheit dafür mitbringt. Verdammt!

Und weil die Runner dem falschen Drachen das Idol überlassen haben, dürfen sie es auch gleich wieder holen. Nochmal verdammt (Große gefiederte Schlangen können sehr überzeugend sein).

Als die Gruppe bei Geyswain´s Gebäude zum 2. Mal ankommt, scheint dort vieles gar nicht mehr zu stimmen! Die Matrix wurde gegrillt, äußerlich ist alles totenstill und im Astralraum das totale „Leben“ (unzählige Elementare, die das Gebäude umkreisen und astral abriegeln). Und noch einmal: Verdammt!

Man dringt also gemeinsam mit Arleesh (die sich nobel zurück hält, um den Runnern nicht die Show zu sehlen) ins Gebäude ein, schafft es bis ins Penthouse und findet neben einem Berg lebloser Menschenkörper einen ziemlich gezeichneten, verwirrten, innerlich zerrissenen Geyswain vor, der, wie es scheint, mit seinem „Fleisch-Spielzeug“ (Wer zum Teufel ist der Typ) Blackwing  im Infight liegt.Warum ist der schon wieder hier? Egal, denn es heißt einen Auftrag zu erfüllen, das böse Artefakt zu bergen und das eigenen Überleben sichern, denn Geyswain lässt plötzlich von Blackwing ab und attackiert die Runner!
Diese Situation geht weit über den Begriff Verdammt hinaus, weil Arleesh natürlich verschwunden ist (denn dafür hat man ja Runner! Um sich die eigenen Hände nicht zu beflecken und die Ressourcen für wichtige Aufgaben zu sparen). Sollte Geyswain schwer verletzt werden, versucht er durch ein riesiges Loch im Dach zu flüchten (ahja, das ist auch neu). Dort erfährt er eine Überraschung. Hurra! Der Star ist da! Abgeschreckt von der Feuerkraft, die da in Form von mehreren Wasps und Y-Jacks durch den wolkenverhangenen Himmel schwebt, entscheidet er sich, seine Wut wieder den Runnern zu widmen.

Am Ende ist Geyswain hoffentlich kampfunfähig und siehe da, Arleesh erscheint in ihrer wahren Form als Große gefiederte Schlange und kümmert sich sogleich um das Artefakt. Etwas Drachemagie und einer eindrucksvolle Implosion später scheint das Idol seine Kräfte verloren zu haben. Arleesh wirft die Figur den Runnern zu und verzieht sich mit den Worten; „Hier! Viel Spaß noch und …Danke!“


Sollte Blackwing noch leben, reklamiert er das Idol für sich und behauptet, es handle sich um einen gestohlenen Gegenstand aus Tir Tairgire. Wollen die Runner an dieser Stelle neben all dem Irrsin und Tod verhandeln, können sie hier noch mal (also, eigentlich… zum ersten Mal) richtig Kohle machen. Zuletzt stürmt Lone Star unter Grissims Führung doch noch den Komplex und nimmt unter Waffengewaltandrohung Blackwing wegen Mordes an ein paar Elfischen Mitbürgern in Gewahrsam. Doch Blackwing belegt auf der Stelle seine diplomatische Immunität und ist mit einem breiten Grinsen von einem Spitzohr zum anderen dahin und fortan nicht mehr gesehen (und genau deshalb mögen so viele keine Elfen aus dem Tir).

Grissim (der LoneStar Captain zum Unterschied zu Grissom aus CSI) ist davon gar nicht begeistert und wendet sich nun den Runnern zu. Irgendjemand muss für das alles verantwortlich sein! Jetzt wird mal verhaftet. Danke Blackwing! Danke Arleesh!

Fazit

Bottled Demon ist kein Abenteuer für Shadowrun-Einsteiger. Vorallem Spieleleiter sollte dafür einiges an Erfahrung mitbringen, um während des 2. Schauplatz nicht schon ins Strudeln zu kommen. Ein eingesetzter Kraftfokus 12 kann das Ballance-Gefüge zwischen Runner und restliche Welt, ordentlich durcheinander würfeln. Auch sind die Encounter kein Spaziergang im Park; ein schwerer Lone Star Eingriffstrupp, ein Drache im Infight mit ein paar kraftvollen Sprüchen im Gebäck und dann noch  Blackwing´s Truppe sowie die Kinder von Sophocles.

Im Zusammentreffen mit den Asphalt Devils zu Beginn des Runs werden auch gleich mal ordentlich die Fahrzeug-Kampf Regeln eingesetzt, was normalerweise eher selten Einsatz findet. Matrix-seitig bietet der Run recht wenig, was den Spielfluss und den Bogen für den Spannungs(Panik)Aufbau nur fördert.

Bottles Demon ist für mich eines der brutalsten und härtesten Abenteuer, auch aus ganz oben beschrieben Gründen. Kill or be killed! Damals als ich es geleitet habe, war ich klar zu unerfahren und habe das Thema rund um Blackwing und TirTaringire sowie die dunklen Hintergründe des Artefakts nicht so gut gebracht. Auch kannte ich zu dem Zeitpunkt die Geschichte zu den Horrors (oder der Feind, wie wir ihn nennen) noch nicht und habe deshalb die Zusammenhänge nicht erkannt.

Was ich wie immer toll finde, sind die Zeitungsberichte am Ende des Buchs, mit zwei coolen Hints; Euphoria und Die Universelle Bruderschaft; aber dazu kommen wir noch.



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